November 2010

Stein des Anstoßes ...

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als handele es sich bei dem Bild um einen ganz normalen Langholztransport.

Erst bei genauerem Hinschauen fällt auf, dass nicht nur Fichtenholzstämme, sondern auch Findlinge auf dem Sattelauflieger liegen.

 

 

Bild 1 (Albert Reich - Polizei Baden-Württemberg)

Not macht erfinderisch.

Der Fahrer will Findlinge transportieren. Dazu benötigt er normalerweise einen Lkw-Kipper. Das ist nicht das Problem. Er muss die Steine aber irgendwie aufladen. Ein Kipper hat jedoch regelmäßig keinen Kran.

Hier kommt seine Sattelzugmaschine ins Spiel. Diese hat einen geeigneten Kran, aber dahinter befindet sich nur ein Sattelauflieger für den Holztransport.

 

Jetzt kommt der Erfinder ins Spiel. Wie baue ich mir Bordwände?

 

Bild 2 (Albert Reich - Polizei Baden-Württemberg)

 

Als erstes werden einige Langholzstämme als Ladefläche auf die Schemel gelegt. Dann werden zwei bis drei Stämme seitlich an die Rungen gelegt. Langsam lässt sich eine Mulde erkennen.

Nun lädt der Fahrer mit seinem Spezialkran einige Findlinge auf die unteren Hölzer. Die seitlichen Stämme werden dabei an die Rungen gepresst.

 

 

Bild 3 (Albert Reich - Polizei Baden-Württemberg)

 

Das klappt nicht immer so wie gewünscht, wie man an dem Spalt auf der rechten Fahrzeugseite erkennen kann. Die Ladung von (abwechselnd) Stämmen und Findlingen geht weiter bis an die oberste Kante der vorderen Runge. Dies gilt für die Stämme; Findlinge hat er noch weiter aufgeladen, so dass sie über die "biologisch abbaubaren" Bordwände hinausragen.

 

Ein Blick von hinten zeigt die Mulde, die mit Findlingen gefüllt ist.

 

 

Bild 4 (Albert Reich - Polizei Baden-Württemberg)

 

Schaut man von vorn auf die Ladung, muss einem unweigerlich mulmig werden.

 

 

 

Bild 5 (Albert Reich - Polizei Baden-Württemberg)

 

Wäre das Fahrzeug stehend angetroffen worden, hätte man denken können, hier wird noch gebaut, nämlich ein Blockhaus, welches man dann als "natürlichen" Fahrzeugaufbau verwenden könnte.

Aber nein, es war eine rollende Gefahrenstelle, die den Polizisten zunächst durch die sehr vorsichtige Fahrweise aufgefallen ist. Wie sich später herausstellte lag das langsame Fahren aber am hohen Gewicht. Die Fahrzeugkombination schaffte es am Berg nicht schneller.

 

Was ist denn eigentlich zur Ladungssicherung getan worden?

 

Auf den Bildern sind maximal drei Spanngute zu erkennen. Diese sind so angebracht, dass mit ihnen die Rungen unterstützt werden, um dem seitlichen Druck standzuhalten.

 

Bild 6 (Albert Reich - Polizei Baden-Württemberg)
Bild 7 (Albert Reich - Polizei Baden-Württemberg)

 

Sonst gibt es keine aktiven Sicherungen.

Das Langholz inklusive der Findlinge ist in Fahrtrichtung und entgegen der Fahrtrichtung nicht ausreichend gesichert.

Eine Vollbremsung wird ausreichen, um einen Teil der Steine nach vorn von der "Ladefläche" herunterpurzeln zu lassen.

Das Sattelkraftfahrzeug wurde nur bis zur nächsten, geeigneten Stelle begleitet, um es dann aus dem Verkehrs zu ziehen.

Die Fahrt zu einer Waage wurde aufgrund der großen Gefahr nicht von den einschreitenden Polizeibeamten in Erwägung gezogen, obwohl dies zur Feststellung einer erheblichen Überladung geführt hätte, wie die nächsten beiden Fotos andeuten:

 

Bild 8 (Albert Reich - Polizei Baden-Württemberg)

 

 

Bild 8 (Albert Reich - Polizei Baden-Württemberg)

 

 

 

Bild 8 (Albert Reich - Polizei Baden-Württemberg)

Wie kann man diesen Transport sicher durchführen?

Gar nicht!! Zumindest nicht in der Kombination, wie hier gedacht, bzw. durchgeführt. Die Findlinge gehören auf ein geeignetes Fahrzeug, z.B. einen entsprechenden Kipper mit allseits

geschlossenen und belastbaren Bordwänden. Formschluss ist auch auf derartigen Fahrzeugen angezeigt. Ist der Formschluss nicht mit der Ladung allein zu erreichen, muss improvisiert

werden, z.B. mit Sand ode Kies. Wichtig ist, dass die Findlinge sich nicht "frei" auf der Ladefläche bewegen dürfen.

 

 

Der hier gezeigte Versuch ist zwar kreativ, aber in höchstem Maße unverantwortlich, denn der Fahrer hat in erster Linie sein eigenes, aber auch das Leben anderer Verkehrsteilnehmer extrem leichtsinnig und mit einer an Dummheit grenzenden Ignoranz der Physik auf's Spiel gesetzt.

© KLSK e.V.