Juli 2009

"Kommt, wir seilen uns ab ..."

Bild 1 (c) Wolfgang Jaspers

 

Das Sattelkraftfahrzeug wurde wie in Abbildung 1 zu sehen auf dem Seitenstreifen auf der A 1 bei Hagen angetroffen. Der Aufbau des Curtainsiders war vorn rechts stark nach außen gebogen.

Ein Blick auf die Ladefläche gab Aufschluss über den Grund der Deformation.

 

 

 

Bild 1 (c) Wolfgang Jaspers

 

Zwölf Drahtrollen mit einem Gewicht von je etwa 1500 kg waren nach vorn rechts gerutscht. Ursache war nicht ein Unfall oder eine Vollbremsung bei hoher Geschwindigkeit.

 

Folgendes war geschehen:

 

Der Fahrzeugführer, ein Spanier, war unterwegs von Barcelona nach Osnabrück. Er hatte schon einige hundert Kilometer zurückgelegt, ohne das sich auf der Ladefläche etwas Auffälliges tat.

In einem Autobahnkreuz bei Hagen gelangte er an ein Stauende. Er hatte es erkannt, so dass das Anhalten für ihn kein Problem darstellte.

Weiter ging es nun im "STOP and GO". Auch hier gab es kein Problem.

 

Erst als ein Pkw-Fahrer aus einer Nebenfahrbahn  sich vor das Sattelkraftfahrzeug drängte kam es zum Problem. Aufgrund des toten Winkels vorn rechts bemerkte der Spanier den Pkw erst sehr spät, so dass er kurzfristig seinen rollenden Zug stark abbremsen und nach links lenken musste.

 

Danach ruckte es auf der Ladefläche.

 

Die Ladung war ins Rutschen gekommen. Sie rutschte geradeaus, obwohl das Sattelkraftfahrzeug nach links gelenkt wurde.

 

Da das Sattelkraftfahrzeug zuvor nur in Schrittgeschwindigkeit rollte, bauten sich keine hohen Massekräfte auf. Der Aufbau konnte ein Herabfallen der Drahtrollen auf die Fahrbahn noch verhindern, seine eigene Deformation aber nicht.

 

Bild 3 (c) Wolfgang Jaspers

 

Insgesamt waren 16 Drahtrollen geladen. Rundum war kein Formschluss gegeben.

Die Rollen lagen über einen Meter von der Stirnwand entfernt.

 

Es wurden keine reibungserhöhenden Materialien untergelegt. Ganz im Gegenteil, unter den Rollen lag lediglich einfache Wellpappe (Bild 4) . Die Ladefläche bestand im Bereich der Rollen aus glattem Stahl (Bild 5).

 

Jeweils vier Rollen wurden mittels eines zweiteiligen Spanngurtes zu einer Ladeeinheit verbunden.

Das einzig positive an dieser Ladungssicherung ist die Bündelung mehrerer Rollen zu einer Ladeeinheit. Dadurch sind vier Rollen gleichzeitig gut sicherbar.

 

Dies reicht allein aber nicht aus, um einen Ladungsverschub oder gar -verlust zu verhindern. Die glatte Stahlladefläche und die untergelegte Wellpappe haben nur einen sehr geringen Reibwert.

 

 

Letzter zu bemängelnder Punkt ist der fehlende Formschluss.

Bild 4 (c) Wolfgang Jaspers

 

Bild 5 (c) Wolfgang Jaspers

 

Wie kann man es besser machen?

 

Auch wenn man aus Gründen der Lastverteilung die Ladung nicht an die Stirnwand heranladen kann, um eine Überladung der Antriebsachse zu vermeiden, ist es hier recht einfach und wenig aufwendig, die Ladung ausreichend zu sichern.

 

- zunächst sollte man anstatt der Wellpappe reibungserhöhende Matten unterlegen

- die Bündelung von je vier Rollen zu einer Ladeeinheit (wie vorhanden) ist zu empfehlen

- jede Ladeeinheit kann man nun mit vier Gurten direkt zurren (Ösen sind an den Rollen vorhanden)

 

Und schon ist eine solide Sicherung für alle Situationen im normalen Fahrbetrieb hergestellt.

 

Beispielskizze:

 

Bild 6 (c) Wolfgang Jaspers

 

Merke:

Auch wenn man schon viele hundert Kilometer ohne Probleme gefahren ist, ist das keine Garantie dafür, dass auch weiterhin nichts passieren kann.

Gefahrensituationen treten in Bruchteilen von Sekunden auf. Wann dieser Moment auftritt, ist ungewiss; dies kann nach dem ersten Kilometer geschehen, oder erst nach 2000 Kilometern, oder vielleicht erst in einer Woche!?

 

Eine Ladung ist auch für den Transport nur um die Ecke ausreichend zu sichern.

 

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