Januar 2007

"Bierkistenkipper"

Abbildung 1 Quelle: Martin Orthen

 

Ein Sattelkraftfahrzeug "Curtainsider" ist nach vorne formschlüssig komplett ausgeladen mit Getränkekisten auf Paletten.

Beim Linksabbiegen im Gewerbegebiet (wegen der dortigen Straßenbreite ist nur Schrittgeschwindigkeit möglich) kippt die Ladung in den Curtain. Dieser erweist sich mitsamt den Spriegelbrettern der dynamischen Belastung, zumindest teilweise, als nicht gewachsen und gibt nach. Die Ladung ergießt sich auf den Gehweg. Derartige Curtainsider erfüllen einen guten Wetterschutz, mehr nicht.

 

 

Abbildung 2 Quelle: Martin Orthen

 

Abbildung 3 Quelle: Martin Orthen

 

Fahrzeuge, die derartige Ladungen nur mit dem Aufbau sichern wollen, müssen den auftretenden Kräften widerstehen können. Eine besonders schwere Aufgabe, denn es handelt sich hier um kippende Kistenstapel, die dynamische Kräfte in den Aufbau einleiten. Technisch ist dies sicher möglich, setzt aber einen kräftigen Aufbau voraus, der seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt hat. Die dafür notwendigen Testverfahren werden mit Aufbauten durchgeführt, die neu oder zumindest in bestem Zustand sind. Auch die Ladung ist bezüglich des Kippabstandes genau auf den Aufbau abgestimmt.

 

 

Was passiert aber draußen?

 

Da fährt der Aufbau, der für Bierkästen ausgelegt ist auch mal Sprudelkisten (der Kippweg ist länger). Da ist denn schon mal ein Gabelstapler in eine der drei Rungen hinein gefahren und hat diese vorgeschädigt, ohne das dies repariert wird. Da fehlen im Dach schon mal ein paar Querstreben, da ein Gabelstapler mit seinem Hubmast diese "hinweggefegt" hat (man kann ja schließlich seine Augen nicht überall haben). Die Alueinsteckprofile werden aus Gründen der Zeitersparnis häufig vor oder hinter das Fahrzeug gelegt anstatt darunter. Dort fährt schon ab und an mal ein Stapler drüber, mit der Folge, dass das Profil platt ist. Da aber die Breite eines Bauteils quadratisch in seine Festigkeit eingeht, ist die Festigkeit der Alueinstecklatte dahin.

 

Das ist der normale Betrieb und dann gibt es auch noch solche Firmen, die die Unterlagen und Zertifikate von einem guten Fahrzeug vervielfältigen und den weniger guten Fahrzeugen mitgeben, aber von solchen Spitzbuben soll hier nicht die Rede sein.

 

Der KLSK sieht die Entwicklung von leistungsfähigen Aufbauten mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Leistungsfähige Aufbauten müssen in Takt und den Vorgaben des Herstellers nach beladen werden, dann ist eine Ladungssicherung, die sich von selbst bzw. durch den leistungsfähigen Aufbau ergibt gut und begrüßenswert!

 

Sobald der Aufbau den Gegebenheiten der Praxis ausgesetzt ist wird es häufig schwierig. Das mag daran liegen, dass man den Aufbau und seine Funktion(sfähigkeit) nicht richtig beachtet. Hightech will richtig angewandt, gewartet und gepflegt werden, damit sie ihre Wirkung entfalten kann. Wird sie "missbraucht", dann wird's gefährlich.

 

Der Fahrer führte als Ladungssicherungsmaterial 3 Zurrgurte mit. Nach seinen Angaben ist er der Meinung, dass das Fahrzeug nicht für diesen Transport geeignet ist. Aber was soll er machen? Wer nicht fährt, fährt nicht...

 

 

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