November 2004

"Gordischer Knoten"

 

Die gezeigten Bilder stammen von zwei unterschiedlichen Lkw, die im Konvoi gefahren sind und ihre Ladung identisch gesichert hatten. Der Unterschied: Das eine Fahrzeug musste eine Vollbremsung vollziehen und das andere nicht. So ist es möglich, die Bilder in einer scheinbar "vorher-nachher"-Abfolge darzustellen...

"Gordischer Knoten"

Es war einmal ein Lkw-Fahrer, der sollte Spaltbänder (Wickelachse stehend) auf der Ladefläche seines Sattelkraftfahrzeugs transportieren. Weil er sich wahrscheinlich schon öfters mit dem Thema "Ladungssicherung" auseinandergesetzt hatte, sicherte er seine Ladung wie immer schon mit Spanngurten.

 

 

Abbildung 1 [Manfred Sommer]

 

Da er von Kollegen früher einmal berichtet bekam, dass der Winkel des Spanngurtes nicht zu flach (unter 35°) sein darf, legte er bei einem Teil der Coils Kanthölzer unter, um den Zurrwinkel zu vergrößern.

 

 

Bild 2 [Manfred Sommer]

 

Damit der Winkel auch schön groß wurde, legte er die Hölzer auf die Ladungskante. Den anderen Teil der Coils wiederum sicherte er mit seinem neuen, in langen schlaflo-sen Nächten selbst erfundenen "selbstsichernden Gordischen Knoten".

 

 

Bild 3 [Manfred Sommer]

 

Damit sich in der Systematik des "Knotens" keine Wickelfehler einschleichen, wird der "Knoten" anhand eine Skizze nochmals im Detail erklärt. Besonderes Augenmerk ist hier auf die Spanngurtführung zu werfen!

 

 

Bild 4 [M. Sommer]

 

Da jeder Zurrpunkt, wenn ein Zurrmittel z. B. nach vorne zieht, vermeintlich einen "Gegenpol?" (ist ein weiteres Zurrmittel welches nach hinten zieht und damit die Kräfte ausgleicht) benötigt, befestigte er wie schön im Bild zu sehen, jeweils teilweise zwei Spanngurte mit entgegengesetzten Zugrichtungen in einen Zurrpunkt ein.

 

 

Bild 5 [M. Sommer]

 

Zurrgurte, die zu lang waren, kürzte er mittels eines Knotens (1), andere Zurrgurte wiederum, welche zu kurz waren, verband er mit einem Knoten (2).

 

 

Bild 6 [M. Sommer]

 

Hier können Sie diese beiden wunderschönen Knoten nochmals in der Detailansicht bewundern, von einer Nachahmung wird jedoch aus urheberrechtlichen und anderen Gründen dringend abgeraten.

 

 

Bild 7 [M. Sommer]

 

So hatte er nun seine gesamte Ladung "gesichert" und begab sich mit seinem Sattelzug auf die große Reise.

 

Er fuhr wie immer, verträumt bergauf bergab, von Stau zu Stau, durch kurvige Täler und schwindelnde Höhen und genoss die wunderbaren Landschaften, die an ihm vorbeizogen.

 

Doch plötzlich, in der Nähe von Aschaffenburg/Bayern, wurde die Idylle abrupt gestört, denn es passierte etwas äußerst ungewöhnliches. Ein vorausfahrender Lkw bremste plötzlich und vermeintlich ohne Grund ab. Um nicht aufzufahren musste unser Sattelkraftfahrzeugfahrer seine Träume jäh unterbrechen, und da er seinen Sicherheitsabstand unterschritten hatte, konnte er nur noch durch eine Vollbremsung einen Unfall vermeiden.

 

Kurz vor dem Stillstand des Fahrzeugs, er wischte sich den Schweiß aus der Stirn, weil er dachte, es sei nochmals alles gut gegangen, rumpelte und polterte es auf der Ladefläche seines Fahrzeugs und nach einem fürchterlichen Schlag herrschte plötzlich Stille.

 

Er stellte den Motor ab, zog die Handbremse an, öffnete die Tür, und ging zu seinem Sattelauflieger. Dort stellte er beim Öffnen der Hecktüre mit Entsetzen fest, dass seine Ladung zum Teil verschwunden war.

 

 

Bild 8 [M.Sommer]

 

Nur ganz weit vorne, an der Stirnwand seines Aufliegers konnte er noch schemenhaft einige Coils seiner doch so meisterlich verzurrten Ladung erkennen. Nur die leeren Zurrgurte hatte er noch vor seinen Augen.

 

"Was war geschehen? Wo ist meine Ladung?" dachte er.

 

Nachdem er sich vom ersten Schreck leicht erholt hatte, ging er wieder nach vorne zu seinem Führerhaus. Als er auf Höhe des Führerhauses und des vorderen Teils des Aufliegers nach rechts schaute, sah er plötzlich, oh Schreck lass nach, seine vermisste Ladung wieder.

 

 

 

 

Bild 9 [M.Sommer]

 

Unbekannte Kräfte hatten seine Ladung bei der Vollbremsung nach vorne, aus den Spanngurten heraus geschoben. Dabei durchbrachen die Coils die Aluminium-Stirnwand und rutschten gegen die Rückwand der Fahrerkabine, die auch erheblich beschädigt wurde. 

 

Unser Fahrer schaute sich den Schaden lange an und kam nach längerem Nachdenken zu der Überzeugung, dass er Glück im Unglück hatte, weil die Coils sein Führerhaus nicht total beschädigt hatten und er nochmals heil davongekommen war, bzw. dass die Coils nicht seitlich vom Fahrzeug heruntergefallen sind und andere Verkehrsteilnehmer dadurch verletzt oder schlimmstenfalls getötet hatten. 

 

Er, wie auch sein Chef, wurden jedoch aus Schaden klug, und meldeten sich sofort zu einem Ladungssicherungslehrgang nach VDI 2700a an. Jetzt wissen beide, wie eine Ladung ordnungsgemäß auf dem Fahrzeug gesichert werden muss, damit sie in allen Verkehrssituationen sicher auf der Ladefläche befestigt ist. Und das erfreuliche daran ist auch noch, dass nie mehr das Fahrzeug durch verrutschte Ladung beschädigt wird und dass die Ladung immer in einem ordnungsgemäßen Zustand beim Kunden ankommt. 

 

Wie eine solche Ladung richtig gesichert wird, können Sie aus den Ausführungen desLadungssicherungshandbuches des GDV, Kapitel Spaltbänder, entnehmen.

 

 

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