Februar 2011

"Schneelaster"

Abbildung 1 [Ulli Hagedorn]

 

 

Abbildung 2 [Ulli Hagedorn]

 

Besieht man sich diese ersten Bilder, könnte der geneigte Betrachter auf die Idee kommen, dass hier ein Mitmensch den Schnee mit Gurten Niederzurren wollte und stellt schon Überlegungen über die zur Verfügung stehende Intelligenz des Ausführenden an.

 

 

Abbildung 3 [Ulli Hagedorn]


Weit gefehlt!!

Schon auf dem zweiten Bild wird ersichtlich, dass mehr hinter dem Ladungssicherungsversuch steckt, als noch bei der Betrachtung des 1. Bildes gedacht. Die folgenden zwei Abbildungen bringen es dann an den Tag! Der Mitmensch, der hier mit der Aufgabe konfrontiert war, eine möglichst große Menge Schnee auf ein sichtlich ungeeignetes Fahrzeug zu verladen, war erfindungsreich. Durch das Einstecken von Platten, die aus Pressspan zu bestehen scheinen, wird auf der rechten Fahrzeugseite die relativ niedrige Ladebordwand deutlich erhöht und damit das vermeintliche Ladungsvolumen des Fahrzeugs einseitig erheblich vergrößert.

 

Abbildung 4 [Ulli Hagedorn]
Abbildung 5 [Ulli Hagedorn]

 

 

Warum er auf der linken Fahrzeugseite nicht in gleicher Weise agiert hat ist uns unbekannt. Ggf. liegt es an der verbogenen Mittelrunge oder einfach daran, dass nicht genug Spanplatten zur Hand waren. Betrachten wir diesen Ladungssicherungsversuch nüchtern, fällt als Erstes ins Auge, dass der beabsichtigte Zweck, die Spanplatten am Abknicken und oder übermäßigen Ausbeulen über die Fahrzeugseite hinaus leidlich gelungen ist. Sobald aber der Schnee unter den Gurten ein wenig nachgegeben haben sollte, ist selbst diese Wirkung hinfällig.

Stellen wir uns aber vor, dass der Verladende stabile Platten auf beiden Seiten eingesteckt hätte und diese in der gezeigten Art und Weise "gesichert" hätte. Wäre das eine adäquate Sicherung gewesen? Die Antwort ist ein klares Jain!!

Was kann der Nutzen dieser Sicherungen sein, wenn sie die beiden Seiten mit einer, wie im Bild gezeigten Niederzurrung (NZ), verbindet?

Zerlegen wir also die Wirkung der Niederzurrung in ihre Einzelteile:

 

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In erster Linie bewirkt die NZ die Erhöhung der Gewichtskraft der Ladung und damit der Reibung auf der Ladefläche. Da die Ladung von den Gurten gar nicht berührt wird, und wenn seitlich ausweichen würde, ist dies Wirkung hinfällig.

 

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Bleibt die Wirkung auf die Einsteckbretter selbst. Sie werden niedergezurrt, was ohne nennenswerte Bedeutung für die Sicherung der Ladung ist, aber der Tendenz der Bretter, sich nach Außen auszubeulen, wird durch die NZ recht wirkungsvoll begegnet. Durch die Gurte wird eine Kraft, die diagonal nach innen wirkt, generiert. Diese Kraft "zieht" die Bretter (oben) bei zunehmender Vorspannung zusammen. Der Druck der Ladung, der auf die Außenwände bzw. Ladebordwände und deren Verlängerung (nämlich die Bretter) drückt, kann sich durch die Gurte gegenseitig aufheben. Das geht zwar nur, wenn die Schüttladung gleichmäßig auf die Seiten drückt, aber davon gehen wir, für unsere sehr hypothetische Betrachtung, aus.

 

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Kommt es aber z. B. in einer Kurvenfahrt, zu einer seitlichen Beschleunigung der Ladung, dann fällt ein tatsächlicher Ladungssicherungseffekt weg. Die Ladung würde sich einseitig an den eingesteckten Brettern abstützen und diese einseitig belasten. Da sich die Gegenseite ebenfalls in die gleiche Richtung bewegt, bleibt nur noch die Reibung der Gurte an den Brettern als sehr kleine sichernde Kraft übrig. Denkt man einen derartigen Fall zu Ende, ohne die Verformung der geschütteten Ladung zu berücksichtigen, dann wird sich nach einer gewissen Verlagerungsstrecke eine Art Direktsicherung einstellen, die dann auch tatsächlich sichernde Wirkung entfalten würde. Zu diesem Zeitpunkt hängt die Ladung aber schon recht weit einseitig über das Fahrzeug hinaus, was wir eigentlich mit den Brettern und vor allem den Gurten vermeiden wollten.

 

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Wollte man einer derartigen Konstruktion tatsächlich mit Gurten oder Ketten zu mehr Stabilität verhelfen wäre das nur sinnvoll durch überkreuz gesetzte Direktzurrung innerhalb der Ladefläche, die die Kraft direkt in die Ladefläche einleiten, möglich, aber aus be- und entladetechnischen Gesichtspunkten ist dieser Einsatz der Zurrmittel unsinnig.

 

Resümee:

Eine abenteuerliche Verladung, aber ein interessantes Gedankenspiel!!

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