Juni 2012

Cool?

 

Mit der Kolumne in diesem Monat wollen wir nicht, wie vielleicht vermutet, auf den beginnenden Sommer hinweisen, sondern vielmehr auf die transportierte Ladung.

 

 

Abbildung 1 [C. Gielisch GmbH]

 

In diesem Curtainsider Fahrzeug wurden Wärmetauscher transportiert. Auf der Abbildung 1 ist sehr deutlich zu sehen, wie ein Teil der Ladung schon nach rechts in die Plane gekippt ist. Erste Schadenminderungs- bzw. Rettungsversuche wurden in Form von zusätzlichen Abstützungen vorgenommen. Auch der Dachbaum des Curtainsiders scheint sich schon ein wenig durchzubiegen.

 

[Abbildung 2 [C. Gielisch GmbH]

 

 

Auf dem Bild sind die drei Wärmetauscher, die nach rechts in die Plane gekippt sind, sehr deutlich zu sehen. Sie sind sehr schlank und hoch. Die Kippgefahr ist ihnen förmlich anzusehen. Gehen wir davon aus, dass ein Ladegut ab einem Größenverhältnis (nur bei homogener Verteilung der Massen und starrer Kippkante) von 2 : 1 (zwei hoch - ein quer) beginnt standfest zu sein, oder beim Überschreiten dieses Verhältnisses eben nicht mehr standfest zu sein, wird einem die Kippgefahr der einzelnen Kühler drastisch vor Augen geführt.

Nun könnte man einwenden, dass die drei Kühler doch zusammen verladen worden wären, und die Ladungssicherungsmaßnahmen sie doch mehr oder weniger zu einer Ladeeinheit werden ließen. Nun wäre es ein wenig sehr flapsig zu sagen, dass das Bild offensichtlich das Gegenteil beweisen würde. Grundsätzlich stimmt die Annahme, dass nebeneinander geladene, kippgefährdete Ladungsteile, verbunden durch die entsprechenden Ladungssicherungsmaßnahmen ihre typische Kippgefahr verlieren. Es kommt aber auf die richtige Ladungssicherungsmaßnahme an.

 

 

Die Ladungssicherungsmaßnahme:

 

Die Ladungssicherungsmaßnahmen bestanden aus Niederzurrungen. Sehr schön zu sehen ist, dass die Ladung sich in den Niederzurrungen zur Seite neigen konnte. Nur durch die Plane und den Aufbau wurden die Kühler an einem weiteren seitlichen Kippen gehindert, und man kann wohl von Glück sagen, dass die Ladung oder deren Verpackung nicht weiter nach links auf der Ladefläche gerutscht sind. Die Ladungssicherungsmittel sind intakt, und konnten aber trotzdem das Kippen der Ladung nicht verhindern. Offensichtlich ist die Niederzurrung bei derart kippgefährdeten Ladungen allein nicht die ausreichende oder genügende Sicherung vor dem Kippen. Richtig! Vorausgesetzt, die Ladung ist richtig verpackt, (hierzu sollen später noch ein paar Worte verloren werden) gibt es zwei Möglichkeiten, die Ladung durch Zurrungen standfester zu machen. Zum einen können mehrere Ladungseinheiten nebeneinander durch Bündelgurte, die wie Bauchbinden oben, in der Mitte und unten um die Ladung herum genommen werden, zu einer Einheit zusammen gebunden werden.

Durch eine derartige Maßnahme vergrößert sich die Standfläche relativ zur Höhe. Wird hierdurch eine Standfestigkeit erreicht, kann die Ladung bei ausreichender Reibung jetzt durch Niederzurrungen gesichert werden.

Die zweite Möglichkeit, derartige Ladungen zu sichern, sind Umspannungen. Pro Ladungspaket müssen zur seitlichen Sicherung mindestens jeweils zwei Umspannungen gegen das Kippen nach rechts, und gegen das Kippen nach links gesetzt werden. Vorsicht! Der Nachteil bei Umspannungen ist, dass sie nur immer in eine Richtung wirken. Somit müssen die Bewegungsrichtungen nach vorn und nach hinten separat durch Umspannungen oder durch zusätzliche Niederzurrungen bedacht werden.

 

 

Die Verpackung:

 

Grundsätzlich soll die Verpackung die Ladung vor den Belastungen des Transportes, des Umschlages und der Lagerung schützen. Ferner soll die Verpackung das Handling der Ladung erleichtern, und die Ladungssicherung auf den unterschiedlichsten Verkehrsträgern ermöglichen. Obwohl der Kolumnist nicht weiß, wie sensibel diese Kühler sind, unterstellt er eine relativ hohe Sensibilität und bewertet die vorgenommene Verpackung als eher spartanisch. Die Füße der Verpackung sind schmal und hoch ("Siehst die Füße schmal und hoch, die kippen um, das weiß man doch") und die Frontseiten der Kühler sind, bis auf die Tatsache, dass die Bretter deutlich überstehen, überhaupt nicht geschützt. Ob diese Ladeeinheiten (soweit der Begriff Einheit überhaupt in diesem Fall angebracht ist) durch eine Umspannung nach vorn und nach hinten wirkungsvoll zu sichern sind, ohne im Belastungsfall die Kühler, bzw. Wärmetauscher zu beschädigen, weiß nur der Hersteller.

 

 

[Abbildung 3 [C. Gielisch GmbH]

 

Auf der Abbildung 3 ist gut zu sehen, dass im vorderen Teil des Fahrzeugs sieben oder sogar acht Wärmetauscher nebeneinander platziert wurden. Durch die vorgenommenen Niederzurrungen hat es auch hier einen gewissen Verbund, allein durch die erhöhte Reibung zwischen den einzelnen Kühlern (Holz auf Holz der Verpackung) gegeben. Sehr schön ist aber zu sehen, dass auch diese "Ladeeinheiten" schon nach rechts verkippt sind. Durch ihre bloße Anzahl konnten sie mit einer größeren Grundfläche aufwarten, und sich beim Kippen vielleicht schon auf beiden Seiten (links unten und rechts oben) am Fahrzeug abstützen. Grundsätzlich gilt auch hier, entweder durch "Bauchbinden" paketieren und dann niederzurren, oder gleich durch Umspannungen entsprechend sichern.

 

Reibung:

 

Selbstverständlich ist Reibung hier, wie immer, ein Thema. Die Reibung hilft immer sichern, und zwar, erstens auf der Ladefläche gegen das Verrutschen der Ladung in Längs- und Querrichtung, aber auch beim Kippen der Ladung "hält" eine hohe Reibung die Basis der Ladung besser "fest" und verhindert so das Ausweichen der Ladung auf der Ladefläche entgegen der Kipprichtung.

Erlauben Sie uns noch ein Wort zur Reibung des Sicherungsmaterials auf der Ladung. In diesem Beispiel ist die Ladung in den Gurten gekippt. Spätestens nach dem Kippen waren die Gurte trefflich gespannt. Es soll aber unterstellt werden, dass die Gurte auch schon vorher über eine ausreichende Vorspannung verfügten. Wäre in diesem Fall die Reibung zwischen Gurten und Ladung extrem hoch gewesen, hätte sie auch gegen das seitliche Kippen zusätzlich schützen können. Also gilt nicht immer, dass eine möglichst geringe Reibung zwischen Ladungssicherungsmittel und Ladung selbst die besten Ergebnisse bei der Sicherung erzielt. Es kommt immer auf die Einzelfallbetrachtung an.

 

 

 

[Abbildung 4 [C. Gielisch GmbH]

 

Die Abbildung 4 zeigt beeindruckend die Belastung des Curtainsider-Aufbaus. Da der Curtain am Dachbaum des Fahrzeugs befestigt ist, wird dieser diagonal nach außen belastet. Deutlich zu sehen ist, dass er zum einen nach unten, aber auch schon nach außen deutlich nachgegeben hat. Im vorderen Teil des Fahrzeugs steht die Gruppe von sieben bis acht Ladeeinheiten. Auch hier ist gut zu sehen, wie sie sich am Dachbaum des Fahrzeugs abstützen. Die Tatsache, dass ganz vorn links im Bild ein Spitzhaken in die Ladung eingesetzt wurde, halten wir für einen nachträglichen Versuch, die Ladung gegebenenfalls wieder aufzurichten oder am kompletten Umfallen zu hindern.

 

Die Ladungssicherungskolumnisten wünschen allzeit sichere Fahrt

© KLSK e.V.