November 2012

Ganz schön ausgebeult ...

 

 

Nicht selten sieht man auf der Straße Lastzüge oder Sattelkraftfahrzeuge, die etwas breiter sind, als normalerweise üblich. Manchmal werden diese Fahrzeug vorn vorn herein so beladen, weil man dadurch einfach mehr Volumen erhält. Mehr Volumen bedeutet auch mehr Profit.

Das ist aber eher die seltene Ausnahme.

Öfter kommt es vor, dass sich das Fahrzeug durch die Ladung während der Fahrt selbst verbreitert.

Woher kommt das? Was kann man im Vorfeld schon tun, damit das nicht vorkommt? Diese Fragen versuchen wir anhand unseres Fotos des Monats Oktober 2012 zu beantworten.

 

Abb. 1 [Pascal Weise]

 

 

Auf den Abbildungen 1 und 2 können wir gut erkennen, dass der Sattelanhänger (hier ein Standard-Curtainsider) zu beiden Seiten ausgebeult ist. Der erste Verdacht ist, dass Ladung verrutscht ist. Zwecks Überprüfung dieser Annahme wurde das Sattelkraftfahrzeug von der Polizei angehalten und überprüft.

Der Fahrer muss das Heckportal öffnen, damit sich die Beamten ein Bild von der Ladung machen können.

 

Abb. 2 [Pascal Weise]

 

 

In der Abbildung 3 bestätigt sich der Verdacht der Polizisten, dass sich die Ladung hier verbreitert hat. Der gesamte Sattelanhänger ist mit Reifen beladen, die ein Gesamtgewicht von etwa 15.000 kg haben. Diese Art der Verladung nennt man im Fachjargon "Brezeln".

Vorteil dieser Verladung ist die optimale Ausschöpfung des vorhanden Raumvolumens. Es gibt kaum Zwischenräume.

 

Abb. 3 [Pascal Weise]

 

 

 

Nachteil dieser Verladung ist, dass sich die Ladung während der Fahrt setzt. In der Folge verbreitert sich die Ladung über das Fahrzeug hinaus und beulen die Plane aus. Da es sich bei diesem Fahrzeug um einen Standard-Curtainsider handelt, haben die seitlichen Begrenzungen, nämlich die Planen und die Spriegelbretter keine berechenbaren Ladungssicherungswirkungen. Die Plane ist als Wetterschutz gedacht und kann keine Festigkeit bieten, die es verhindert, dass die Reifen nach außen wandern.

 

Abb. 4 [Pascal Weise]

 

 

 

 

In Abbildung 4 wird gerade die linke Seite des Gardinen-Aufliegers geöffnet. Unschwer zu erkennen ist, dass gerade ein Reifen herunterfällt. In Abbildung 5 sieht man weitere, bereits herabgefallene Reifen und einen "Fliegenden". Auch wenn es sich nicht um sehr schwere Ladung handelt, ist der Fahrer, der hier die Ladung sichtbar, macht äußerst gefährdet.

Nicht umsonst schreibt die Berufsgenossenschaft in ihren Unfallverhütungsvorschriften

(BGV D 29), dass Fahrzeugaufbauten  so beschaffen sein müssen, dass bei bestimmungsgemäßer Verwendung des Fahrzeuges die Ladung gegen Verrutschen, Verrollen, Umfallen, Herabfallen gesichert ist, oder werden kann. Ist eine Ladungssicherung durch den Fahrzeugaufbau allein nicht gewährleistet, müssen Hilfsmittel zur Ladungssicherung vorhanden sein (§ 22).

 

Abb. 5 [Pascal Weise]

 

 

In § 37 (3) gibt die Berufgenossenschaft weiter vor, dass das Be- und Entladen von Fahrzeugen so zu erfolgen hat, dass Personen nicht durch herabfallende, umfallende oder wegrollende Gegenstände gefährdet werden.

 

 

Abb. 6 [Pascal Weise]

 

 

Dies ist offensichtlich alles nicht der Fall. Hier ist weder der Aufbau in der Lage, der Ladung einen sicheren Formschluss zu geben, noch gibt es anderen Sicherungen, die ein Wandern der Reifen verhindern.

Die Ladung Pkw-Reifen hat ein Gesamtgewicht von ca. 15.000 kg. Sie liegen nahezu ungesichert auf der Ladefläche. Das sie sich während der Fahrt bewegt haben und dann in die Plane gerutscht sind, kann man daran erkennen, dass das Fahrzeug tatsächlich breiter geworden ist.

Fahrzeuge dürfen laut StVZO nur maximal 2,55m breit sein (Kühlfahrzeug maximal 2,60m).

Hier ist die Plane soweit ausgebeult, dass die gesamte Fahrzeugbreite bei knapp drei Metern liegt. Das ist fast einen halben Meter zu viel.

Wenn Fahrzeuge mit Überbreite fahren wollen, dann benötigen sie Ausnahmegenehmigungen. Diese bekommen sie aber nur, wenn die Ladung unteilbar ist. Das ist hier eindeutig nicht so.

Somit gibt es nur eine Lösung für diese Problem:

Die Ladung muss abgeladen werden und dann auf ein geeignetes Fahrzeug aufgeladen werden. Dies erfordert Geduld, da vor Ort eine Abladung meist nur händisch möglich ist. Es geht viel Zeit verloren, die die Spediteure nicht haben.

 

 

Verbesserungsvorschlag:

 

Reifen immer in Transportgestelle laden, die dann einfach auf und auch einfach abgeladen werden können. Diese Gestelle verbreitern sich während der Fahrt nicht und die Reifen liegen sicher im Gestell. Die Gestelle können formschlüssig übereinander gestapelt werden, wie dies auch bei Gitterboxen möglich ist.

Wird dazu auch noch ein Fahrzeug mit festen Bordwänden benutzt, oder ein Fahrzeug, welches nach der Norm 12642 Code XL hergestellt ist, dann wird die Sicherung meist durch den Aufbau allein gewährleistet, wenn dafür gesorgt wird, dass die Reibung zwischen Ladung und Ladefläche ausreichend hoch ist. Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn reibungserhöhenden Unterlagen verwendet werden.

 

Die folgenden drei Abbildungen stellen Transportmöglichkeiten in Gestellen dar:

 

Abbildung 7 [Fa. Gebhardt] Gewicht des Gestelles: ca. 185 kg
Abbildung 8 [Fa. Gebhardt] Einzelgestell ca. 150 kg
Abbildung 9 [Fa. Gebhardt] Einzelgestell ca. 175 kg

 

Werden diese Vorschläge beachtet, dann kann der Transport ruhigen Gewissens durchgeführt werden, und die Ladung kommt ohne Beschädigungen und ohne Verzögerungen beim Empfänger, meist bei der Autoindustrie, an. Es spart Nerven, Bußgelder und nicht zuletzt wird die Verkehrssicherheit aufrecht erhalten.

 

 

Eine gute Fahrt wünschen

 

 

Ihre Ladungssicherungskolumnisten

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