Juni 2014

Das machen die Großen doch auch so…

 

 

 

Die Polizisten vor Ort staunten nicht schlecht, als sie diesen Pkw mit Anhänger an sich vorbeifahren sahen. Der Anhänger, der keine seitlichen Bordwände besaß, war mit einigen Holzstämmen aus Buche und Kiefer beladen.

 

Die Verladung erfolgte so, wie es vor gar nicht so langer Zeit auch noch bei den Fachtransporteuren aus dem Holzgewerbe aussah.

 

Abbildung 1 [Thomas Klameth]

 

Die Holzstämme sind etwa 1,20m lang und liegen quer zur Fahrtrichtung auf der Ladefläche aus Holz. Die einzige Sicherung ist ein Spanngurt, der Längs über die Ladung gelegt, und dann in den Rahmen eingehängt wurde.

 

Ob hier über die Ratsche eine nennenswerte Vorspannkraft eingeleitet werden konnte, ist nicht bekannt. Der Winkel mit dem der Gurt hier auf die Ladung (drei Stämme) drückt ist derart ungünstig, dass sich allein deswegen schon kaum eine Sicherung daraus ergeben kann. Es ist vielmehr zu vermuten, dass der Gurt die selbstgemachte Erhöhung der Bordwände noch mitsichern sollte. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle erwähnt, dass ein derartiger "Hosenträgergurt", egal wie er gespannt ist, keine oder kaum eine nennenswerte Sicherungswirkung entfalten kann. Das die Ratsche nicht ordentlich geschlossen war passt zusätzlich ins Bild, das uns verrät, dass die Herrschaften, die diesen Transport durchgeführt haben keine große Nähe zur Ladungssicherung hatten.

 

Eine seitliche Sicherung gibt es hier nicht. Somit liegt der größte Teil der Ladung völlig ungesichert auf der Ladefläche und wird nur durch die vorhandene Reibung gesichert.

 

Abbildung 2 [Thomas Klameth]

 

Der Fahrer wollte hier nur ein paar Stämme für den Winter nach Hause transportieren und aus den Stämmen Kaminholz machen. Große Gedanken zur Ladungssicherung hat er sich offensichtlich nicht gemacht.

 

Was kann während der Fahrt passieren?

 

Das kommt ganz auf die jeweilige Fahrsituation an. Fährt der Fahrer ohne großartige Brems- oder Lenkaktionen auf gut ausgebauten Straßen, dann hat er gute Chancen, ohne Ladungsverlust zu Hause anzukommen.

 

Kann er dies beeinflussen? Gegebenenfalls durch vorausschauende Fahrweise?

 

Nicht wirklich. Vorausschauend sollte immer gefahren werden. Aber hilft dies bei plötzlich auftretenden Gefahrensituationen? Etwa bei einer Vorfahrtsverletzung, oder bei einem plötzlich auf die Straße springenden Kind?

 

NEIN!

 

 

Niemand ist vor solchen unberechenbaren Situationen gefeit.

 

Tritt sie ein, dann leitet man eine Vollbremsung ein, um das Kind nicht zu schädigen oder einem Zusammenzustoßen mit anderen Fahrzeugen vorzubeugen. Die Alternative ist ein hartes Ausweichmanöver.

 

Was macht die Ladung in diesen Momenten?

 

Abbildung 3 [Thomas Klameth]

 

Was fällt einem Ladungssicherungskolumnisten zu dieser Verladung ein?

 

Egal ob eine Vollbremsung oder ein Ausweichmanöver gefahren wird, die Ladung hat das Bestreben, die ursprüngliche Richtung und Geschwindigkeit beizubehalten. Es wirkt die sogenannte Trägheitskraft. Ist die Ladung durch Sicherungsmittel fest mit dem Fahrzeug verbunden, dann werden diese Kräfte in den Rahmen des Fahrzeuges abgeleitet und die Ladung bleibt an ihrem Platz.

 

Im vorliegenden Fall kann die Ladung nach vorn rutschen oder aufrollen, so dass einzelne Stämme über die vordere Bordwand in den Verkehrsraum rollen oder fallen können.

 

Bei einem Ausweichmanöver besteht die Gefahr, dass die gesamte Ladung ins Rutschen gerät und dann ohne jeglichen Schutz auf die Fahrbahn fällt.

 

Dort könnte es zu gefährlichen Situationen für Leib und Leben anderer kommen.

 

Dies sollte unbedingt vermieden werden.

 

 

Was kann getan werden?

 

 

Es ist auch hier nicht schwer, eine vernünftige Ladungssicherung zu realisieren.

 

Zunächst sollten die seitlichen Bordwände an den Anhänger montiert werden. Damit erhalten die Stirn- und die Heckwand eine größere Festigkeit.

 

Den Ladeboden vor der Beladung säubern und nach Möglichkeit mit rutschhemmendem Material auslegen.

 

Darauf können die Holzstämme in Fahrtrichtung gelegt werden. Es werden etwa drei Stämme hintereinander passen. Das gesamt Holz wird unterhalb der Bordwände liegen. Mit drei Spanngurten kann man jeden Stapel noch zusätzlich "niederzurren" und dadurch den Druck von Stirnwand und Seitenwänden nehmen. Durch die Niederzurrung erhöht sich die Reibung der Ladung untereinander und zur Ladefläche wodurch sich die Kraft, die die Stirnwand, im Falle einer Gefahrbremsung aufzunehmen hat, weiter reduziert.

 

Es sollten ausreichend Zurrpunkte zur Verfügung stehen, wobei darauf zu achten ist, dass die Gurte vor der Beladung einzuhängen sind, da die Zurrpunkte nach der Beladung nicht mehr zugänglich sind.

 

Die Festigkeit der Stirnwand kann man beim Hersteller erfragen.

 

 

Allzeit sichere Fahrt wünschen Ihre

Ihre Ladungssicherungskolumnisten

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